Samstag, 7. Januar 2012

Brief über die Todesumstände von Erich Katterwe , von Georg Fritsch 1948/49

 Abschrift                                                             Orginal  > hier
Appersdorf, den 28.12. 1948

Liebe Frau Katterwe.
Sie werden sich wundern von irgendeinem fremden Mann Post zu bekommen. Nun es ist
meine Pflicht, Ihnen über den verbleib Ihres Mannes Erich Katterwe mitzuteilen wo er ist.
Wir waren nämlich die ganze Gefangenschaft hindurch die besten Kameraden. Wir haben in
den fast 4 Jahren manche Not und manches Leid miteinander geteilt. Wenn einer mal etwas
mehr zu essen hatte so heschenk1en wir uns gegenseitig, denn einer hatte so Hunger wie der
andere. Nun bitte ich Sie liebe Frau Kattenve erschrecken Sie nicht, Ihr lieber Mann und
Vater seiner lieben heiden Söhne Dietmar u. Rudi sowie mein guter Kamerad bleibt auf immer
im Ural. Er ist nämlich am 30.ten November gerade an seinem 44, Geburtstag in aller früh
gegen 4 Uhr gestorben.
Ich spreche Ihnen sowie Ihren beiden Söhnen mein herzlichstes Beileid aus. Bin nämlich jetzt
ein Tag vor dem hl. Abend hier angekommen und war froh dass ich nach so einem langen
Transport hier war. Wenn Erich gesund gewesen wäre, so wäre er auch kurz vor dem lieben
Weihnachtsfest bei ihnen gewesen. Nun1iebe Frau bitte ich Sie, gönnen wir ihm die ewige
Ruhe. Er hätte ihnen gar nichts genützt, denn er hatte Wasser in höchstem grad. Die Beine
waren so dick wie die Wasserkannen der Leib war ebenfalls angeschwollen von Wasser und
außerdem hatte er ein schlechtes Herz. Sie hätten nur eine große Last mit ihm gehabt. Er hätte
ihnen können keinen Pfennig mehr verdienen. Wir lernten einander 45 beide als Breslauer in
Brosowst kennen und sind zusammen durch die Gefangenschaft von einern Lager ins andere
gewandert. Wir waren vorigen Winter zusammen in Molotow. Am 14. März kamen wir
zusammen nach einer zivil Chollchose nach Baranow. Dort wurde er krank. Ich dachte mir
schon immer das schlimmste, denn ich weiß wie gefahrlich Wasser ist .Wollte es ihnen aber
nicht sagen. Es sind viele viele Kameraden an Wasser gestorben. Die Karten welche er dieses
Jahr schrieb habe ich ihm immer vorgeschrieben deshalb kenne ich Ihre verhältnisse ganz
genau. Habe auch jede Karte oder Brief von Ihnen gelesen. Nun wir waren gute Kammeraden
er wusste auch alles von mir. Meine Familien Verhältnisse sind ja etwas trüber, denn meine
Frau will mich nicht mehr haben, trotzdem wir im Mai schon hätten 25jähriges .Ehejubiläum
feiern können. Bin hier in einem Dorf bei Mainburg bei meiner Schwester. Vielleicht wussten
Sie es schon dass Erich tot ist. Aber es weiß es keiner besser als ich. Er war mit bei dem
Transport dabei ungefähr 500 mtr. Vom Lager entfernt konnte er nucht mehr laufen. Es wurde
ein Pferd eingespannt und er wurde in einem Schlitten gefahren. Wir mussten über einen
großen Fluß bei der überfähre über den Fluß hatte er noch gelebt es war dann noch ungefahr
15 Minuten bis zum Bahnhof Kongur. Als Sie ihn am Bahnhof aus dem Schlitten nehmen
wollten war er tot. Nun will ich mein Schreiben schließen in der Hofrnung dass Sie mein
Brief bei bester Gesundheit antriftt sowie er euch verlässt. Es grüßt Sie recht herzlich sowie
Ihre beiden Söhne nebst Schwager Paul u. Liesel ( Glamsch ) unbekannterweise Georg Fritsch. Wohnte früher in Breslau Graupenstr.9 gradüber vom Musikhaus Göhne.Bitte schreiben Sie mir mal
Antwort nach erhalten meiner Post.

Abschrift
Appersdorf, dem 18.1.49

Liebe Frau Katterwe.
Heut erhielt ich Ihren leben Brief vom hiesigen Herrn Pfarrer ausgehändigt. Es war ja schade
dass mich der Postbote nicht gefunden hatte, denn ich hatte doch die Adresse deutlich
geschrieben. Wartete schon lange auf Antwort von Ihnen. Als ich Ihnen in meinem ersten
Brief die Nachricht über den Verbleib Ihres lieben verstorbenen Mannes mitteilte . schrieb ich
lange so drum herum. Ja liebe Frau ich wollte Sie nicht erschrecken. Schließlich war es aber
doch meine Pflicht Ihnen die traurige Mitteilung zu machen. Sie schreiben, dass Sie es gar
nicht glauben können, dass Ihr lieber Gatte tot sei. Ja liebe Frau, glauben Sie es mir. Ihr lieber
Mann sowie mein guter Freund den ich in meinem Leben niemals vergessen werde, ist am
30ten November grad an seinem 44. Geburtstag frühmorgens gegen 4 Uhr gestorben. Er
wusste nicht dass er sterben würde und hat einen guten ruhigen Tod gehabt. Wir haben die
ganzen Jahre hindurch viel Leid und viel Sorge miteinander durchgemacht, Dieses Leid und
diese Sorgen waren immer nur wegen Essen. denn einer hatte immer mehr Hunger wie der
andere. Mehr will ich mich gar nicht aussprechen, dass andere können Sie sich denken. Sie
schreiben, warum er nicht früher entlassen wurde, ja, er war ziemlich gut bei Leibe solange
einer Fleisch auf den Rippen hat. kommt nicht gleich einer von dort weg. Ich sah es Ihm
schon lange an dass er krank sei. Vor allem hatte Er viel Wasser. Die Beine waren wie die
Wasserkannen so dick. Das Wasser ist .ihm dann in den Leib gestiegen und das war sein Tod.
Wenn an diesem Tag nicht gerade die Heimfahrt gewesen wäre, hätte er vielleicht noch paar
Tage gelebt, so war er vielleicht durch die Aufregung etwas schneller gestorben. Die letzten
14 Tage die er im Lazarett lag, durfte ich ihn nicht mehr besuchen weil er dauernd Fieber
hatte. Er war ja auch sehr elend. Nun Sie können es mir glauben, dass ich eben so den Tod
ihres lieben Gatten bedauere wie Sie selbst, Jeden Tag denke ich an Ihn und war auch gleich
der erste der für Ihn ein Vaterunser betete. Wie gern wollten wir zusammen nach Hause
fahren. Der unerbittliche Tod machte uns einen Strich durch die Rechnung. Nun habe ich
ihnen alles so einigermaßen geschildert. Wenn ich es lhnen alles mündlich erzählen könnte
wäre es ja viel besser schriftlich kann man es doch nicht so gut machen. Vielleicht ist es doch
möglich, dass wir mal zusammen sprechen können. Dann würde ich Ihnen alles noch besser
erklären. Zur zeit besitze ich gar nichts und bin ein ganz armer Mensch, zumal ich noch das
große Unglück habe und nicht mit meiner lieben Familie zusammen sein kann. Hoffentlich
können wir recht bald wieder in unser schönes Breslau. Indem ich Ihnen liebe Frau Katterwe
alles gute wünsche, vor allem Gesundheit so grüßt Sie nebst lhren lieben beiden Söhnen
Dieter und Rudi recht herzlich Georg Fritsch Oppersdorf bei Frau Beruner Krs. Mainburg
Niederbayern  Auf Wiedersehen
Ihr lieben beiden guten Jungen. Euer lieber Pappa hat mir viel von Euch erzählt. Und ich bitte
Euch seid eurer Mutter gehorsam und fleißig. Dies war euer lieber Pappas letzter Wunsch.

Abscbrift
Appersdorf den 20. 1.49.

Liebe Frau Katterwe.
Sende Ihnen hienmit 2 Eidesstaatliche Erklärungen ,welche ich eben auf der hiesigen
Gemeinde abgegeben habe. Sie werden ja sicherlich etwas brauchen damit Sie was in den
Händen haben zwecks Rente oder dergleichen. Die Angaben habe ich so gemacht wie ich es
Ihnen schon mitgeteilt hatte. Sollten Sie in dieser Angelegenheit noch einen Rat brauchen
dann stehe ich Ihnen jederzeit gern bereit zu helfen. Wenn ich nicht an diesem Tag so schnell
mit weg gemusst hätte, so hätte ich meinen lieben Freund Erich mit beerdigt. Wie Sie sich ja
denken können wollte Ich doch die Heimfahrt nicht verpassen. Er liegt aber auf einer schönen
großen Wiese in Vilepofka beerdigt. Der Kutscher nahm Ihn wieder mit ins Lager zurück. Ich
habe Ihn im Geiste dauernd vor mir da. wir doch Jahre hindurch , hinter, Stacheldraht
zubringen mussten.
Hoffentlich trifft Sie nebst Ihre lieben Söhne mein Brief bei bester Gesundheit an, sowie er
mich verlässt.
Mit vielen 1000 Grüßen sendend verbleibt Georg Fritsch
Auf Wiedersehn.
Schreiben Sie mir bitte mal bescheid wenn Sie den Brief erhalten haben.

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