Montag, 26. März 2012

Dorffest in Groß Graben zum Geburtstag des Kaisers


 ca. vor 1900                                                                                   
   Kaisers Geburtstag wurde in Großgraben zünftig gefeiert. 
In der Nacht zum 27. Januar zwischen 12 und 1 Uhr marschierten der Katerwe Robert und Schulze, Tambor,´mit klingendem Spiel durch das Dorf. Jedes Jahr wiederholte sich diese Episode. Vor dem Schlafengehen bat ich den Großvater mich zu wecken, damit ich an dem Ereignis Anteil nehmen Konnte.
 Dann kamen die beiden das Dorf raufmaschiert. Die Trommel rappelte und die Pfeife trillerte. Beide hatten Soldatenmützen auf, der Trommler als auch der Pfeifenmann. Ich fragte den Großvater was das für ein Marsch wäre, den die Beiden spielten. Da sagte der Großvater der Marsch heiße: Schuster hip Schuster hip trarara.... 
Es war die erste Bereicherung meiner musikalischen Kenntnisse in Bezug auf die Marschmusik.
Am Sonntag nach Kaisers Geburtstag trat der Kriegerverein in Aktion. Das war ein Leben u. Treiben in Großgraben. Alt und Jung waren herbeigeeilt, um an der Feier teilzunehmen. Der ehemalige Feldwebel Krocke, der Hauptmann des Kriegervereins ließ seine Komandostimme erdröhnen. Die alten und die jungen Knochen der ausgedienten Soldaten erstarrten in Ehrfurcht vor der allgewaltigen Stimme ihres Hauptmannes.
Der Hauptmann mit seinem Stabe stand auf einem etwas erhöhtem Fleck. Wie ein Feldherr blickte er auf seine Heerschaar. Die Kapelle spielte Marschmusik.
Der Parademarsch zu Ehren seiner Majestät wurde in Szene gesetzt. Es war schon ein Erlebnis, diese Großgrabener Heerschau mitfeiern zu können. Mit Tanz und fröhlichem Beisammensein endete die Geburtstagsfeier. Die Jugend, aber auch die ältere Generation
waren dem Tanze sehr zugetan. Der Totengräber Schmidt verstand es ausgezeichnet die Blicke aller Anwesenden auf sich zu lenken. Er stampfte mit den Füßen und krähte wie ein
Hahn wenn die Musiker eine Polka spielten. Wie ein entfesselter Furor Toutonieus (?)
raste er mit seiner Tänzerin durch den Saal. Der Fußboden zitterte. Die, an der Decke hängenden Petroleumlampen, schaukelten verdächtig. Onkel (?) Appelt als Gastwirt mußte
mehrmals einschreiten. Das Temperament des Totengräbers war nicht zu bändigen.
Er hatte wahrlich mit seinem tollen Temperament die Toten aufwecken können, die er im Laufe der Jahre unter die Erde gebettet hat. Schmidt war ein echtes schlesisches Kind.
Ein Sohn schlesischer Erdt (?) In der kernigen Schale seines Wesens, steckt ein guter und edler Kern. - Großvater erlaubte auch für ihn ein Liedchen zu haben. Er sagte, das Lied passt für den Totengräber ausgezeichnet. Dann ließ er seine wilde, nicht unschöne Stimme ertönen und sang: Herr Schmidt, Herr Schmidt was bringt die Jule mit ,einer Schleier
und` nen Federhut, der steht der Jule gut, zu gut`......`Wenn ich dann den Totengräber sah,
dann fiel mir gleich Großvaters Liedchen ein. Es drängte sich mir unwiderstehlich auf.
Ich summte vor (?) mich her : hm hm – hm, hm, hm-hm-hm,hm hm hm …..
Der alte Schmidt Lachte.
 Er wußte Bescheid, daß ihm meine Melodie zugedacht war.
 







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